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The harder they come,
The harder they'll fall, one and all.
Jimmy Cliff

 

 

Über die

Kultur-Revolution des Rock'n'Roll


 

Von der Beat Generation bis zum Punk

 

  

Gedanken und Erinnerungen zum Thema  
50 Jahre 1968 – Protest, Pop, Provokation
im Auftrag der Berliner Geschichtswerkstatt e.V. 
 

 

 

Ein Essay von Kai Sichtermann

 

 

 

 

Prolog

Zwei Kriege wüteten auf unserem Planeten, in die fast alle Länder involviert waren, direkt oder indirekt. Mehr als 70 Millionen Menschen verloren dabei ihr Leben. Das wäre so, als würden die Bewohner mehrerer Millionenstädte ausgelöscht, New York, Kairo, London, Madrid, Paris und Berlin mit Toten übersät. Hinzu kommen noch die körperlichen Verletzungen und mentalen Traumata der Überlebenden. Gab es jemals zuvor so viel entsetzliches Leid und Elend in so kurzer Zeit in unserer zivilisierten Welt?

     Von 1914 bis 1918 tobte der Erste Weltkrieg. Stirb den Heldentod fürs Vaterland! Mit dieser zynischen Parole versuchten die Kriegstreiber ihr Handeln zu rechtfertigen. Zum Glück gab es damals auch Menschen – wenn auch viel zu wenige – die diesen Wahnsinn nicht mitmachen wollten. 1916 trafen sich in der neutralen Schweiz die Dadaisten, um auf ihre provokante Weise gegen das Blutvergießen zu protestieren. „Totentanz“, das Gedicht von Dada-Mitbegründer Hugo Ball, das auch vertont wurde, zeugt davon: Tod ist unser Zeichen und Losungswort. Kind und Weib verlassen wir: Was gehen sie uns an! Wenn man sich auf uns nur verlassen kann!

     Zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg, gab es im musikalischen Kulturbetrieb drei Ereignisse, die Kultstatus erlangten, alle im Jahre 1928. Im Juni nahm der legendäre Jazz-Trompeter Louis Armstrong mit seinen Hot Five in Chicago den richtungsweisenden „West End Blues“ auf. Im August wurde im Berliner Theater am Schiffbauerdamm Bertolt Brechts und Kurt Weills „Dreigroschenoper“ uraufgeführt, in dem die Unterwelt den Raubtier-Kapitalismus spiegelt; der Eröffnungs-Song des Theaterstücks, „Die Moritat von Mackie Messer“ stieg im Laufe der Zeit zum Welthit auf und ist heute ein Jazz-Standard. Und im November, im Zuge des Impressionismus, sah und hörte in Paris ein geschocktes Publikum das Ballett „Boléro“ von Maurice Ravel, erotische Bewegungen einer Tänzerin zu einer hypnotischen Musik, die ihres gleichen sucht.

     Nur ein Jahr später veröffentlichte Erich Maria Remarque seinen Antikriegsroman „Im Westen nichts Neues“. Das Buch wurde ein Weltbestseller und auch die Dadaisten waren länderübergreifend erfolgreich. Aber die Nationalsozialisten waren stärker. 1933 kam Hitler an die Macht. Der Überfall auf Polen 1939 stürzte die Welt in den zweiten großen Krieg. Charlie Chaplins satirischer Film „Der große Diktator“, der 1940 seine Uraufführung hatte, war und ist bis heute die großartigste Entlarvung eines sogenannten Führers. Nach dem Ende des Zweite Weltkriegs 1945 lag halb Europa in Schutt und Asche. Viele Männer befanden sich in Kriegsgefangenschaft oder sie lebten nicht mehr. Einen großen Anteil beim Wiederaufbau der Städte hatten die Trümmer-Frauen. Für ihre Kinder hatten sie deshalb wenig Zeit; sich selbst überlassen wurden sie unangepasst und aufmüpfig, nicht nur in Europa. Das Bewusstsein vieler junger Menschen änderte sich. 

     Das betraf besonders die Boheme- und Subkultur-Szenen in den USA und Frankreich während der zweiten Hälfte der 1940er Jahre. Im New Yorker Bezirk Manhattan stießen Schriftsteller und Dichter wie William Burroughs, Jack Kerouac und Allen Ginsberg als Beat Generation auf schwarze Jazz-Musiker wie Dizzy Gillespie, Charlie 'Bird' Parker und Thelonius Monk. Sie alle reflektierten den Zeitgeist. Das Ergebnis waren Bücher wie „Naked Lunch“, „On the Road - Unterwegs“ oder „Das Geheul“, sowie eine neue Form des Jazz – der virtuose und aufwühlende Bebop, wie z.B. das Stück „Be-Bop“ (1945) von Dizzy Gillespie oder „Donna Lee“ (1947) von Charlie Parker und Miles Davis. 

     Zeitgleich trat im Pariser Künstlerviertel Saint Germain de Près eine unkonventionelle Lebenseinstellung in Erscheinung, ausschweifend, leicht melancholisch: der Existentialismus – Die Welt an sich ist absurd. Der Philosoph Jean-Paul Sartre, einer der Köpfe dieser Bewegung postulierte: „Der Mensch ist dazu verurteilt, frei zu sein“. Die Existenzialisten jener Tage waren hauptsächlich kritische Intellektuelle, trugen bevorzugt schwarze Kleidung und Rollkragenpullover, tranken Rotwein und verkehrten in verrauchten Kellerlokalen, in denen natürlich auch Musik gespielt wurde. Ihr Existenzialisten-Frühstück am Mittag bestand aus einer Tasse schwarzem Kaffee und einer filterlosen Gauloises-Zigarette – manchmal auch ein Croissant. Juliette Gréco, Chansonsängerin und Muse der Existenzialisten, hat über diese Bewegung mal gesagt, sie „steht für Freiheit und Verantwortung“. Außer den französischen Chansons, wie sie von Juliette Gréco und anderen gesungen wurden, gehörte die Jazzmusik dazu, besonders der Cool Jazz wie Miles Davis oder Gerry Mulligan ihn spielten. Interessanterweise gab es eine Vereinigung der beiden Musikrichtungen, Chanson und Jazz, in Form eines Liebespaares: Juliette Gréco, die Schwarze Rose von St. Germain und Miles Davis, zu jener Zeit der coolste Mann der Welt, lernten sich 1949 in Paris kennen und lieben. 

     Wir schreiben das Jahr 1953 mit zwei historischen Ereignissen: Im geistigen Klima der Existenzialisten wurde in der Seine-Metropole das absurde Theaterstück „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett zum ersten Mal aufgeführt. Doch Godot kommt nicht. Ist Warten sinnlos? Nichts tun... – In den USA erschien Wilhelm Reichs Werk „The Murder of Christ“. Misha Schoeneberg schrieb dazu in seinem deutschen Rock'n'Roll-Märchen „Als Wir das Wunder waren“: „Die Ermordung alles Lebendigen durch das gepanzerte Menschentier, das ist Reichs Thema, es geschehe tagtäglich, seit Generationen. Schuld sei die Angst vor Liebe und Zärtlichkeit, welche die Kinder von ihren Eltern eingebläut bekämen und diese dann bewusst oder unbewusst an die nächste Generation weitergäben. Das sei die tatsächliche 'Erbsünde', sagt Wilhelm Reich. Reich nennt sie die 'Emotionale Pest'. Anstatt Bestätigung in der Liebe zu erfahren, lernen wir persönliche Gier. Das schlägt sich nieder in seelischer wie körperlicher Verspannung. Am Ende steckt ein jeder in einer Panzerung, so als wäre er lebendig eingemauert.“ 

     In diesem Sinne sind die berühmten Hollywood-Dramen zu verstehen, in denen Marlon Brando („Der Wilde“, 1953) und James Dean („...denn sie wissen nicht was sie tun“, 1955) protestierende Jugendliche spielen, die sich unverstanden fühlen und so zu der von der Nachkriegsentwicklung enttäuschten Lost Generation wurden; das Wort der Halbstarken machte in der BRD die Runde. „Die Isolation des Individuums in der modernen Gesellschaft“ (Mike Evens) ist ein gemeinsames Thema dieser Unzufriedenen.

 

Interlog

Welche Musik hörten Unterprivilegierte, Minderheiten wie die Schwarzen, die Rebellen und Unangepassten, die Desperados und Überlebens-Künstler nach dem Krieg? Wahrscheinlich eher schwarze race-music (Blues und Jazz); vielleicht besonders Bebop, vielleicht auch Songs wie „This Land Is Your Land“ (1940) von Woody Guthrie, „Strange Fruit“ (1939) von Billie Holiday oder das Protestlied „We Shall Overcome“. Angesagt waren auch Rhythm & Blues-Songs à la Louis Jordan („Caldonia“, 1945). Ike Tuner und Jackie Brenston and his Delta Cats nahmen 1951 den Rhythm & Blues-Song „Rocket 88“ auf, für Fachleute der erste 'richtige' Rock’n’Roll-Song, produziert von Sam Phillips, der ein Jahr später in Memphis sein eigenes Plattenlabel Sun Records gründete und Mitte der fünfziger Jahre wichtig für das Rock'n'Roll-Business war. Dann folgte der April 1954. Bill Haley & his Comets gehen in New York ins Studio und covern von Sonny Dae & his Knights den Song Rock Around the ClockOne, two, three oclock, four oclock, rock! Ein Jahr später hat der Regisseur Richard Brooks die Idee, den Titel am Anfang und Ende des US-amerikanischen Films „Die Saat der Gewalt“ einzuspielen. Rock Around the Clockwird bekannt und zum internationalen Superhit. Musikalisches Dynamit: eine wilde Mischung aus schwarzem Rhythm & Blues und weißer Country-Musik wird zum Rock'n'Roll. Tanz nach Musik mit Strom-Gitarren und Schlagzeug als Grundlage, die den Mainstream erobert. Ein Weltphänomen ist geborgen! Eine neue Form der Ekstase! Ein aufregendes musikalisches Lebensgefühl, gepaart mit Blue-Jeans, Kaugummi, Coca-Cola, Comics und Ketchup. Coole Lässigkeit aus Amiland, das Gegenteil von Strammstehen in Uniform. Der Protest der Nachkriegsjugend gegen bürgerliche Zwänge und Normen, gegen militante Traditionalisten findet in dieser Musik ihren Ausdruck. We're gonna rock around the clock tonight! – Wir werden die ganze Nacht durchrocken! Das Establishment ist über diese Negermusik empört. Doch das hinderte viele Jugendliche aus meist armen Verhältnissen nicht daran nach Rock'n'Roll-Musik zu tanzen oder sich eine günstige Gitarre zu kaufen, um Rock-Musik zu spielen.

     Peter Schneider, einer der 68er-Aktivisten: „Natürlich war Bill Haleys 'Rock Around the Clock' im Vergleich zu einer Kantate von Johann Sebastian Bach das Werk eines musikalischen Analphabeten. Nur änderte diese Einsicht nichts daran, dass Bill Haley – im Unterschied zu Bach – meinen Körper in helle Aufregung versetzte und meine Füße elektrisierte. [...] Es war dieses sture wunderbare Dadadámdamdám, das meinen Körper – und die von Millionen junger Leute – in ein und denselben Rhythmus einschwingen ließ und in Trance versetzte.“ Auch wenn die Trance Tanz-Expertin Ulrike Freimuth mit ihrem folgenden Statement wahrscheinlich nicht unbedingt und ausschließlich die Rock-Musik als musikalische Grundlage ansieht, lassen sich dennoch Teile ihrer Aussage in etwas abgeschwächter Form auch auf die Rock'n'Roll-Kultur übertragen: „Für mich ist Trance Tanz Magie, Heilung, ein Ventil um emotionalen Druck abzubauen, ein Weg, um wieder den Rhythmus des Lebens in mir zu spüren, mich in meinem Körper zu Hause zu fühlen. Ich begegne mir selbst, authentisch im Hier und Jetzt. Trance Tanz schenkt mir Kraft, Freude, Lebendigkeit, leuchtende und klare Augen, Ekstase, Frieden und Liebe.“

     Nach dem Erfolg von Rock Around the Clock“ war es vor allem ein schwarzer Musiker, der wie kaum ein anderer neue aktuelle Rock-Klassiker schrieb. Chuck Berry, Komponist, Texter, Sänger und Gitarrist. In „Roll Over Beethoven“, 1956 als Single veröffentlicht, sang Berry, wie sehr er auf RockʻnʼRoll-Musik abfährt, und dass die klassische Musik, wie die von Beethoven, davon überrollt wird. In „School Days“ (1957) forderte Berry erlöse mich von den alten Zeiten und in „Too Much Monkey Business“ (1956) machte er sich Gedanken über das Gemeinwohl. Das 1958 erschienene „Johnny B. Goode“ beschreibt den amerikanischen Traum: der Aufstieg vom armen, aber talentierten Gitarrenspieler zum Star. Noch Jahrzehnte später coverten alle großen Rock-Veteranen Chuck Berry-Songs. 

     Einer von ihnen war der ehemalige Lkw-Fahrer Elvis Presley – später mit dem Titel King of Rock'n'Roll geehrt. Elvis the Pelvis – so wurde er wegen seines aufreizenden Hüftschwungs genannt – war nicht nur ein exzellenter Sänger und guter Rhythmusgitarrist, sondern auch rebellisch, unangepasst. Als Weißer verband er die schwarzen Musikstile – die Roots des Rock'n'Roll – wie Blues und Rhythm & Blues, mit weißen Country-&-Western-Elementen und unterstützte die Aufweichung der Rassentrennung, indem er Songs schwarzer Künstler sang, was damals ein Skandal war. „Heartbreak Hotel“, „Don't Be Cruel“, „Hound Dog“, „All Shook Up“ und „Jailhouse Rock“, waren einige seiner Mega-Hits 1956/57. Der britische Journalist Ray Connolly beschrieb einmal, was Elvis Presley für ihn bedeutete: „Das erste Mal hörte ich ihn 1956. Ich war ein Schuljunge in einer kleinen Stadt in Lancashire. Nichts in der meiner Welt klang so wie er. Damals gab es nicht einmal das Wort Teenager. Wenn man einmal ausgewachsen war, sollte man gefälligst wie eine jüngere Version seiner Eltern aussehen, und auch so denken und sprechen. In jene freudlose, vorsichtige Zeit, wo jeder seinen Platz kannte, schlug Elvis ein wie der Blitz.“

     Die Zeit der späten 1950er und frühen 60er Jahre war prüde und verklemmt. Gehorsam gehörte zum Nachkriegs-Deutschland genauso wie Sittsamkeit. Die Kids hatten ihre Träume und Sehnsüchte, wurden aber nicht (richtig) aufgeklärt. Über die Themen, die sie beschäftigten – Lust und Liebe, Erotik und Sex – tuschelte man nur hinter vorgehaltener Hand. Sex galt als schmutzig – eine Sünde. Das Wort geil gab es damals schon, aber kaum jemand wagte es öffentlich auszusprechen. Da war der Rock'n'Roll eine Offenbarung für die Jugendlichen, weil die Liebe und besonders die Teenager-Liebe mit all seinen Facetten besungen wurde. Neben Chuck Berry und Elvis Presley sorgten auch andere Musiker wie Little Richard („Tutti Frutti“, 1955), Fats Domino („Blueberry Hill“, 1956), Buddy Holly („That'll Be the Day“, 1957), Ray Charles („What'd I Say“, 1959), Johnny Cash („I Walk the Line“, 1956) oder das Autoren-Team Leiber/Stoller („Jailhouse Rock“, 1957) dafür, dass die Rock'n'Roll-Welle an Größe zunahm und langsam aber sicher die ganze (westliche) Welt überschwemmte. Speziell über den amerikanischen Radiosender AFN aber auch über den britischen BFN, sowie über die in West-Deutschland stationierten amerikanischen und britischen Soldaten fand die Musik ebenso ihre Verbreitung in der BRD wie durch die Jukebox in den Gaststätten; die Königin dieser Musikautomaten war das abgefahrene amerikanische Modell Wurlitzer 1015, Blubber, One More Time.

     In den ausgehenden fünfziger Jahren hatten zwei US-amerikanische Musikproduzenten das richtige Gespür, auch für das neue kommende Jahrzehnt den passenden Soundtrack mit den dazugehörigen Texten für die Jugend zu produzieren. Berry Gordy aus Detroit mit seinem Motown-Label war der eine. Gordy, selbst ein Schwarzer, produzierte ausschließlich schwarze Musiker. Es war kommerzieller, aber gutgemachter Soul (schwarzer Rhythm & Blues gemixt mit weißem Pop) dank origineller Songwriter wie z.B. dem Kreativ-Trio Holland-Dozier-Holland, das hauptsächlich für die Girlie-Group The Supremes (You Keep Me Hangin' On, 1966) arbeitete. Außerdem gab es in den 60ern noch Smokey Robinson („The Tracks Of My Tears“, 1965), Martha & the Vandellas („Dancing in the Street“, 1964), The Temptations („My Girl“, 1964), die Four Tops („Reach Out I'll Be There“, 1966) u.a. In den 1970ern und später waren es so klangvolle Namen wie Stevie WonderMarvin Gaye („What's Going On“, 1971), Lionel Richie und Michael Jackson. Der andere Produzent hieß Phil Spector, der in den Gold Star Studios in Hollywood seinen berühmten Wall of Sound, einen besonders vollen, bisweilen auch bombastischen Klang kreierte. Das war die erste Pop-Musik, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht so genannt wurde. Einige der großen Spector-Hits waren Ben E. Kings „Spanish Harlem“ (1960), „Be My Baby“ von den Ronettes (1963), von den Righteous Brothers „You've Lost That Lovin' Feelin'“ (1965), sowie „River Deep, Mountain High“ von Ike & Tina Turner (1966). – Die Liebe lag damals noch nicht „breitbeinig, vergewaltigt im Dreck der Werbeindustrie“, wie Misha Schoeneberg weiß, das passierte erst später, so ab den 1970ern. Dafür gab es in West-Deutschland seit 1961 die Antibabypille und noch kein Aids. Die freie Liebe hatte gute Chancen sich zu entfalten; nicht nur in den USA.

     Es gibt historische Augenblicke, in denen sich Grundsätzliches ändert und die Grundlage für eine neue Epoche gelegt wird, Achsenzeit hat der Philosoph Karl Jasper sie genannt. Auch die sechziger Jahre lassen sich als so eine Zeit sehen(Tobias Rapp). Ein neues Zeitalter begann, eine Epoche neuen Bewusstseins auf einer Bewusstseinsstufe, die wir heute die sechste beziehungsweise grüne Stufe nennen. Deshalb definieren Bewusstseinsforscher die 60er-Jahre auch als den Beginn der Postmoderne. Kulturell begannen die Sixties mit Überraschungen. William Shakespeares Tragödie von „Romeo und Julia“ wurde 1957 als „West Side Story“-Musical in unsere moderne Zeit transportiert und 1961 zum ersten Mal als Film im Kino gezeigt, ein Jahr später auch in der BRD. Alles was das Leben zu bieten hatte wurde auf der Leinwand gezeigtLiebe, Drama, Gewalt, Tod, Spannung, Ekstase, Tanz, Humor, Trauer – und dazu diese grandiose Musik von Leonard Bernstein. – Elvis Presley konnte mit der gelungenen englischen Aufbereitung der neapolitanischen Kanzone „'O Sole Mio“ 1960 seinen größten internationalen Erfolg feiern: „It's Now or Never“. – Marlene Dietrich sorgte Ende 1962 mit dem Anti-Kriegslied „Sag mir, wo die Blumen sind“ für Gänsehaut. – Die große Tragödie aus politischer Sicht war der Bau der Berliner Mauer im August 61.

     Als ein junger britischer Musiker aus Liverpool den Song „Please Please Me“ sang, war der Rock'n'Roll definitiv auch in England angekommen. Allerdings unter neuem Namen: Beat! In dem Song von John Lennon fordert der Sänger sein Mädchen auf: I know you never even try, girl, Come on, Please please me, whoa, yeah, Like I please you – Ich weiß, dass du's auch noch nicht probiert hast. Komm schon, na komm, bitte erfreue mich, oh ja, wie ich dich erfreue. Das war 1963 einer der ersten großen Hits der Beatles und es sollten noch viele folgen, so wie „I Want to Hold Your Hand“ zum Jahreswechsel 1963/64, der Titel der in vielen Ländern die Spitzen der Charts erstürmte und den internationalen Ruhm der Pilzköpfe begründete. – Bevor Elvis Presley Anfang der 60er von der neuen Beat-, Pop- und Soul-Welle überrollt wurde, durfte er sich mit „(You're the) Devil in Disguise“, „Kiss Me Quick“ noch über zwei beachtliche internationale Erfolge freuen.

     Die vierköpfige Beat-Band The Beatles war vom Rock'n'Roll à la Elvis und Chuck Berry sowie vom Motown-Soul beeinflusst. Ebenso eine andere englische Gruppe, die Rolling Stones, doch sie verschrieben sich mehr den Roots dieser Musik, dem Blues, so wie z.B. Howlin' Wolf („Little Red Rooster“, 1961), Robert Johnson („Love in Vain“, 1937), Muddy Waters („Mannish Boy“, 1955), Jimmy Reed („Little Rain“, 1958), John Lee Hooker („Boogie Chillen“, 1948) oder B.B. King („Three O'Clock Blues“, 1951) ihn spielten. Ein wichtiges Platten-Label für die Jahre zwischen 1950 bis 1975, auf dem viele Blues-Musiker, aber auch andere ihre Songs veröffentlichten, war Chess-Records aus Chicago mit dem überragenden Willie Dixon als Produzent, Songwriter und Musiker. Die musikalischen Ursprünge des Blues lagen im Spiritual, die Musik der schwarzen Sklaven, die in der Frühen Neuzeit von Afrika in den Süden der USA deportiert worden waren. Inbrünstiger Gesang, afrikanische Rhythmen, durchsetzt mit schamanisch-religiöser Ekstase und die ungewohnte Harmonik vermischt mit den liturgischen Gesängen, Psalmen, Hymnen und getragenen Chorälen der weißen christlichen Kultur. Im auslaufenden 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich aus dem Spiritual die geistliche Musik des hoffnungsvollen Gospels und als weltliche Entsprechung der melancholische Blues. Andere musikalische Mischformen dieser und späteren Zeit nennen wir heute Ragtime, Boogie-Woogie, Jazz (New Orleans-Stil, Chicago-Stil, Swing, Bebop), Hillbilly, Country & Western, Folk, Rockabilly, Rhythm & Blues, Doo Wop, Funk, Reggae oder Weltmusik, vorgetragen von unzähligen großartigen Musikern auf der ganzen Welt. Keith Richards, Gitarrist der Rolling Stones, unterstreicht die fulminante Bedeutung des Blues für die Rock-Musik mit den Worten: „Der Blues ist alles. Du wirst niemals richtig Rock'n'Roll spielen, wenn du nichts über den Blues weißt.“ 

     Mit „You Really Got Me“ folgten 1964 The Kinks aus London. Girl, you really got me goin', You got me so I don't know what I'm doin' now, You got me so I can't sleep at night' - Mädel, du hast mich echt in Wallung gebracht, Du hast mich so gepackt, ich weiß gar nicht mehr, was ich tue, Du hast mich so erwischt, dass ich nachts nicht mehr schlafen kann. Darüber hinaus inspirierte der Gitarren-Riff des Songs spätere Hard-Rocker, wie Heavy Metal- und Punk-Rock-Gitarristen.

     Der Vietnam-Krieg begann 1955 und wurde von den meisten Menschen in der westlichen Welt akzeptiert, schließlich galt es den Kommunismus in Südostasien einzudämmen. Erst als sich die USA Mitte der 1960er in die Kampfhandlungen einmischte und zusammen mit der Nationalen Befreiungsfront Südvietnams gegen die Demokratische Republik Vietnam im Norden kämpfte und die Kriegsbilder während der allabendlichen TV-Nachrichten in die Wohnzimmer der Menschen übertragen wurde, änderte sich das Bewusstsein in der Bevölkerung. Eine Art des Protestes bestand für Männer darin, die Haare wachsen zu lassen. Der kurzgeschorene Schädel war immer noch das Zeichen für Autoritätshörigkeit und soldatische Disziplin, die langen Haare Zeichen einer ästhetischen Rebellion, die auch das Weiche, Feminine betonten. Auch rebellierende Mädels trugen ihr Haar meist lang, doch der Rocksaum wurde kürzer und rutschte höher Richtung Hüfte – der Minirock wurde populär; später folgten noch die Hotpants.

     Eine andere, neue Art des Protests waren die Rock-Musik-Texte im Jahr 1965: Die Rolling Stones kritisierten mit ihrem legendären „(I Can't Get No) Satisfaction“ die Konsumideologie und damit den Kapitalismus. Song-Poet Bob Dylan schaffte es mit „Like a Rolling Stone“ Poesie und Rock’n’Roll zu verbinden. Er sang über eine eingebildete arrogante Frau aus der Upperclass, die obdachlos wird und fragte: How does it feel, To be without a home, Like a complete unknown, like a rolling stone – Wie fühlt sich das an? Ohne Wohnung zu sein, Wie eine vollkommen Unbekannte, Wie eine Entwurzelte? Der Soulsänger Otis Redding thematisierte mit „Respect“ den Umgang zwischen den Geschlechtern – die Coverversion von Aretha Franklin zwei Jahre später wurde zur Hymne der Frauenbewegung. Mit „My Generation“ von The Who wurde es sozial-politisch, leicht verstört-gestottert sangen sie: People try to put us down, Just because we get around, Things they do look awful cold, I hope I die before I get old, Talkin’ ’bout my generation. – Leute wollen uns niedermachen, Bloß weil wir was anders machen, Für sie bleibt alles grau und kalt, Da bin ich lieber tot als alt, Hört her, das ist unsere Zeit! – In den Kinos sorgte die groteske Western-Satire „Viva Maria!“ von Louis Malle mit Brigitte Bardot und Jeanne Moreau in den Hauptrollen nicht nur für Heiterkeit: Revolution gegen Diktatoren in einem fiktiven Staat.

     Die gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen zehn Jahre kulminierten in der Gegenkultur der HippiesVon San Francisco ausgehend gab es weltumspannend die Flower-Power-Bewegung zwischen 1965 und 1971. Rebellion, Spontanität, Enthusiasmus, Kreativität, Träume, Visionen, Utopien – Seien wir realistisch, fordern wir das Unmögliche (Che Guevara). Das Experimentieren mit illegalen Drogen wie Cannabis oder LSD war angesagt – Turn on, tune in, drop out! (Timothy Leary) – Zieh dir was rein, bring' dich drauf, steig aus! Die veränderten Moralvorstellungen mündeten in der sexuellen Revolution; die freie Liebe – nicht nur die körperliche – begann sich immer mehr zu entfalten. Sex, Drugs & Rock'n'Roll – nicht nur Hedonisten pflegten in diesen Jahren und auch danach einen speziellen Lebensstil, der schon in ähnlicher Weise bereits im 18. Jahrhundert zelebriert und damals mit „Wein, Weib und Gesang“ beschrieben wurde. Das Establishment der BRD nannte solche Menschen damals Gammler.

     Passend zum Zeitgeist wurde 1966 in den USA originelle Pop-Musik produziert. Zum Beispiel „California Dreamin'“ on such a winter's day von The Mamas and the Papas, oder im jahreszeitlichen Gegensatz dazu „Summer in the City“ von den Lovin' Spoonful. Die Beach Boys brachten mit „Good Vibration“ eine knapp vierminütige Taschensinfonie in Form einer Vinyl-Single raus: I'm pickin' up good vibrations, She's giving me the excitations. Gotta keep those lovin' good vibrations a-happenin' with her – Ich ergreife die guten Gefühle, die ich bei ihrem Anblick spüre. Will diese Schwingung halten, so dass wir uns in Liebe entfalten. – Der Protest gegen den Vietnam-Krieg – Make love, not war – mobilisierte Millionen, woraus die 68er-Bewegung hervorging. Der Philosoph Herbert Marcuse, einer der geistigen Väter der Studentenbewegung in aller Welt: „Als ich an den Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg teilnahm, als die Lieder von Bob Dylan (z.B. „Blowin' in the Wind“, 1963) gesungen wurden, hatte ich das begrifflich schwer zu bestimmende Gefühl, dass dies die einzig revolutionäre Sprache ist, die uns heute noch bleibt.“Die meisten unterdrückten Afroamerikaner der USA solidarisierten sich in der Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King, musikalisch begleitet von Nina Simone („Mississippi Goddam“, 1964) und anderen. Der Aktionskünstler Joseph Beuys brachte den Vietnam-Krieg und die NS-Vergangenheit zur Sprache und lehrte die radikale freie Selbstbestimmung – Jeder Mensch ist ein Künstler. – Zum Jahreswechsel 1966/67 sangen die Kinks in „Dead End Street“ über die Armut in den sozial unterprivilegierten Schichten der Gesellschaft: Sackgasse! Die Menschen leben in einer Sackgasse!

     Der Summer of Love 1967! Eine magische Energie lag in der Luft – ein einzigartiger Spirit. Alles war bunter geworden; eine langhaarige Gegenkultur offenbarte sich „...in fernöstlichen Kleidern, ausgeflippten Lichtshows und visionären Konzertplakaten“ (Mike Evens). Das Thema freie Liebe war allgegenwärtig. Dazu passend leiteten die Rolling Stones das Jahr musikalisch mit „Let’s Spend the Night Together“ ein. Procol Harums kryptisches, an J.S.Bach orientiertes „A Whiter Shade of Pale“, avancierte zum Sommerhit. Der Song „San Francisco“, gesungen von Scott McKenzie, wurde zu Hymne der Szene. John Lennon sang mit den Beatles die Hippie-Botschaft des JahresAll You Need Is Love“. Mit „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ veröffentlichten die Beatles eines der bedeutendsten Konzept-Alben der Pop-Geschichte als Langspielplatte (LP); zum ersten Mal wurden die Songtexte auf einem Platten-Cover abgedruckt. Beatle George Harrison erschuf mit „Within You Without You“ ein neues Genre: die Weltmusik. Gegen Ende des Jahres feierte das Musical „Hair“ in New York seine Uraufführung, in dem der Vietnam-Krieg kritisiert wurde; auch Eric Burdon & The Animals von der britischen Insel waren mit diesem Krieg nicht einverstanden und sangen über die Love-Generation in dem Song „San Franciscan Nights“.

     Die Hippie-Live-Band jener Epoche war The Grateful Dead, die in Haight Ashbury, dem angesagten Stadtteil von San Francisco und Zentrum der Protestbewegung, als Kommune zusammen lebte. Die Schattenseiten der Hippie-Kultur, wie Sucht durch Drogenmissbrauch oder Prostitution thematisierte The Velvet Underground auf ihrer düsteren Kult-LP The Velvet Underground & Nico mit dem Bananen-Cover von Andy Warhol.

     Politische Schlagzeilen 1967: Im April wurde dem schwarzen US-amerikanischen Schwergewichtsboxer Muhammad Ali der Weltmeistertitel aberkannt, weil er seine Einberufung ablehnte und nicht in Vietnam kämpfen wollte – der Anfang seines Aufstiegs zu einem Symbol der Gegenkultur. Mit der öffentlichen Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg bei einer Demonstration ohne konkreten Anlass durch einen Polizisten am 2. Juni in West-Berlin begann in der BRD die (radikale) Politisierung der Szene. Der gewaltsame Tod von Guerillaführer Che Guevara im Oktober in Bolivien „im Namen einer revolutionären Bewegung, machte ihn zu einem Märtyrer linker Unabhängigkeits- und Befreiungsbewegungen in der ganzen Welt“ (Wikipedia)

     Hunter Thompson, Begründer des Gonzo-Journalismus und einer der kompetentesten Sprecher der amerikanischen Gegenkultur: „San Francisco Mitte der sechziger Jahreein ganz besonderer Ort und eine ganz besondere Zeit, wenn man daran teil hatte. Vielleicht geschah etwas von Bedeutung. Vielleicht auch nicht, auf lange Sicht betrachtet reicht aber keine Erklärung, keine Collage von Wörtern oder Musik oder Erinnerungen an jenes Gefühl heran, zu wissen, dass man dabei war, dass man jenes Eckchen der Zeit und Welt leibhaftig mit erlebte. Was immer es bedeutete. […] Es herrschte dieses fantastische universelle Gefühl, alles, was wir taten, sei richtig, ... kein Zweifel, wir würden gewinnen... Und das, glaube ich, war der Hacken - dieses Gefühl, der Sieg über die Mächte des Alten und des Bösen sei unausweichlich. Ein Sieg, ganz und gar nicht auf niederträchtige oder militante Weise: Das hatten wir nicht nötig. Es würden sich ganz einfach unsere Energien durchsetzen. Es hatte keinen Zweck zu kämpfen – weder auf unserer noch auf ihrer Seite. Hinter uns stand die Naturgewalt; wir ritten auf dem Kamm einer hohen und wunderschönen Welle...“ 

     „Tatsächlich wurden um 1968 Bücher und Platten, Romane und Pop-Musik wie selten zuvor Inspiration für rebellische Haltungen und fungierten als Motive zur Revolte. Popkultur veränderte Haltungen“ (Jens Kastner). – Das viel zitierte Jahr 1968 kam musikalisch gesehen im Januar mit der Bluesrock-Single „Sunshine of Your Love“ von der Supergroup Cream gut aus den Startlöchern. Im Mai lieferten die Rolling Stones mit „Jumpin' Jack Flash“ einen der besten Rock-Songs aller Zeiten ab. Wer sich in West-Deutschland dieser gesellschaftlichen Strömung zugehörig fühlte und motorisiert war, fuhr in jenen Tagen entweder einen VW-Käfer, einen VW-Bus (Bulli), eine 2CV-Ente oder einen R4. So gut wie jedes Auto mit einem langhaarigen Freak hinterm Lenkrad hatte einen Roten Punkt an der Windschutzscheibe, als Zeichen für die Bereitschaft Tramper mitzunehmen; Trampen war angesagt. Und wer im Radio den richtigen Sender wählte, z.B. AFN, Radio Luxemburg, einen Piratensender oder BFBS, konnte im Sommer mit etwas Glück „Born To Be Wild“ hören, einer der ersten Hard-Rock-Songs, mit dem die Band Steppenwolf das damalige Lebensgefühl einfing. 

     Doch in diesem, als Symbol für Aufbruch, Freiheit und Veränderung geltenden Jahr 1968, wurde es immer politischer. Musikalisch begleitet von US-amerikanischen Interpeten wie The Fugs, Frank Zappa, der Proto-Punk Band MC5 oder Country Joe McDonald mit seinem „I-Feel-Like-I'm-Fixin'-to-Die Rag“ (1965), bewirkten verschiedene Ereignisse zwischen April und August eine extrem aufgeheizte Stimmung, mit Folgen für Teile der Bewegung in Bezug auf die Radikalisierung. Die Erschießung von Bürgerrechtler Martin Luther King in den USA. Das Attentat auf den Studentenführer Rudi Dutschke in West-Berlin. Aktionen in Frankreich, wo es zu wochenlangen Straßenschlachten kam, bei dem Versuch verschiedene gesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen: „Verdichtet hat sich diese Epoche im Pariser Mai, wo sich die Revolten der Frauen, der Jugend, der Studierenden, Intellektuellen und KünstlerInnen, der ArbeiterInnen und der MigrantInnen näher kamen als je zuvor (Thomas Seibert). Die Ermordung von US-Senator Robert Kennedy in L.A., der die schwarze Bürgerrechtsbewegung unterstützte und sich für die Beendigung des Vietnam-Krieges einsetzte, gegen den inzwischen auf der ganzen Welt demonstriert wurde, z.B. in Städten wie Belgrad, Berlin, Chicago, Genf, Istanbul, London, Mailand, Mexiko-Stadt, New York, Rio de Janeiro, Rom, San Francisco, Tokio und Warschau. Panzer in den Straßen von Prag: der Einmarsch durch die von der Sowjet-Armee angeführten Warschauer Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei bedeutete das Ende des Prager Frühlings.

     Und was kam musikalisch aus Swinging London? Ohne Absprache, unabhängig voneinander, brachten zwei der bekanntesten englischen Bands ihrer Zeit Ende August 1968 jede eine Vinyl-Single heraus. „Street Fighting Man“ von den Rolling Stones: Ev'rywhere I hear the sound, Of marching charging feet, boy, 'Cause summer's here and the time is right, For fighting in the street, boy, Well now, what can a poor boy do, Except to sing for a rock n' roll band? 'Cause in sleepy London town, There's just no place for a street fighting man, no. – Überall höre ich den Klang von marschierenden, angreifenden Füßen, Junge, Denn der Sommer ist da und die Zeit ist gut, um auf der Straße zu kämpfen, Junge, Aber was kann ein armer Junge schon tun, außer in einer Rock & Roll Band zu singen? Denn im verschlafenen London, ist einfach kein Platz für einen Straßenkämpfer, Nein. – Der tröstende Song „Hey Jude“ von Paul McCartney, die A-Seite der Beatles-Single wurde ein Riesenhit, doch das rockige „Revolution“, die B-Seite von John Lennon, war ein brandaktuelles Thema: You say you want a revolution, Well, you know, We all want to change the world, You tell me that it's evolution, Well, you know, We all want to change the world, But when you talk about destruction, Don't you know that you can count me out, Don't you know it's gonna be, All right. – Du sagst du willst eine Revolution, Nun, du weißt, wir alle wollen die Welt verändern, du sagst mir, dass es Evolution ist, Nun, du weißt, wir alle wollen die Welt verändern, Aber wenn du über Zerstörung sprichst, mußt du wissen, ich bin nicht dabei, Ach weißt du, es wird schon klappen, alles in Ordnung. Song-Autor Lennon dazu ergänzend: „In einer Version sagte ich zum Thema Gewalt Count me in (ich bin dabei), weil sich erste Zweifel in mir regten. Gewalt schien mir unvermeidlich“. – „Der Zeitgeist hatte sich brutal geändert. Statt um Liebe und Frieden ging es jetzt um Politik und Kampf. In 'Revolution' nahm Lennon bewußt diese Themen an, doch er weigerte sich, Liebe und Frieden für die düsteren Prioritäten der neuen Ära preiszugeben...“, so der britische Musikkritiker Ian MacDonald über Achtundsechzig und besagtes Beatles-Stück.

     Bevor das alte Jahrzehnt seinen Hut nahm, gab es noch einige musikalische Highlights. Das aus dem Musical „Hair“ stammende Medley Aquarius“/Let the Sunshine In“ eroberte im März 1969 in der Interpretation der Fifth Dimension die Charts und beschwor noch einmal die Love & Peace-Message der Hippies. – Dass immer noch etwas in der Luft lag, bekundeten Thunderclap Newman mit „Something in the Air“ im Sommer: Because the revolution's here, and you know it's right. We have got to get it together, now. – Weil die Revolution hier ist, und du weißt, dass es richtig ist. Wir müssen es in Ordnung bringen, jetzt.Der Sommerhit des Jahres hieß im August „Oh Happy Day“ von den Edwin Hawkins Singers. Ein Gospelsong – aus den Roots der schwarzen Sklaven entstanden – findet den Weg in den kommerziellen Mainstream der westlichen Welt. Was für ein Rückprall! Gesungen wurde über den glücklichen Tag, als Jesus meine Sünden wegwusch. – Im September stöhnten und flüsterten Provokateur Serge Gainsbourg und Muse Jane Birkin ins Mikrofon: Je t'aime - moi non plus, Comme un vague irrésolue je vais et je viens entre tes reins, et je me retiens, tu es la vague, moi l'île nue, je te rejoins, oh mon amour, Non! Maitenant, viens! – Ich liebe dich, ich dich auch nicht, Wie eine unentschlossene Welle komme und gehe ich zwischen deinen Lenden, und ich halte mich zurück, du bist die Welle, ich die nackte Insel, ich vereine mich wieder mit dir, oh meine Liebe, Nein! Jetzt, komm! Der Papst als Sittenwächter verklemmter kleinbürgerlicher Sexualmoral und Vertreter des Establishments ließ „Je T'aime...Moi Non Plus“ auf den Index setzen. Der Heilige Stuhl gegen die Subkultur! Paul VI. erreichte zur Freude von Gainsbourg als Vertreter der Hippies und der sexuellen Revolution jedoch genau das Gegenteil: das Duett wurde ein Millionenseller. Die Autoritätskultur der katholischen Kirche musste einen empfindlichen Dämpfer einstecken. Fünfzig Jahre später behautete allen Ernstes der emeritierte deutsche Ex-Papst Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.), dass die sexuelle Revolution der 1968er Jahre eine Mitschuld am sexuellen Missbrauch von Kindern innerhalb der katholischen Kirche trage. Halleluja! – Auch bedauerliche Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Begünstigt durch einen Keith Richards in Hochform forderten die Rolling Stones mit ihrem ahnungsvollen Song „Gimme Shelter Schutz vor Bedrohungen: War, children, it's just a shot away, Rape, murder, it's just a shot away, Gimme shelter, I tell you, love, sister, it's just a kiss away. – Krieg, Kinder, er ist nur einen Schuss entfernt, Vergewaltigung, Mord, sie sind nur einen Schuss entfernt, Gib mir Schutz, Ich sag dir, Liebe, Schwester, sie ist nur einen Kuss entfernt. Eine Sternstunde der Rock-Musik! – Und auch Elvis, der King, hatte 1969 mit „In The Ghetto“ und „Suspicious Minds“ noch einmal zwei große Hits.

     Doch mit dem bevorstehenden neuen Jahrzehnt schien der romantische Traum von Love & Peace ausgeträumt. Zwei Rock-Festivals in den USA besiegelten symbolisch sowohl den Höhepunkt als auch den Ausklang der Hippiebewegung: Das friedliche Woodstock-Festival im August 1969, sowie das gewalttätige Altamont Free Concert im Dezember. Ex-Sponti und Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit rückblickend: „Ich vergleiche die Bewegungen, alle Bewegungen, mit dem Meer, das geht auf und ab, geht hoch und wieder runter. Das ist wie Ebbe und Flut. Man wünscht sich, dass die Bewegung stark bleibt, dass sie oben bleibt, aber das geht nicht, die Ebbe kommt unweigerlich.“

     Musikalisch protestierten der Reggae-Musiker Jimmy Cliff („Vietnam“, 1969) und der Soul-Sänger Edwin Starr mit „War“ (1970) gegen den immer noch andauernden Vietnam-Krieg. War, What is it good for? Absolutely nothin. – Krieg, Wofür ist der gut? Für absolut nichts. Doch der Krieg tobte weiter und Politiker schauten weg. Auch Willy Brandt, der Ende 1969 als Hoffnungsträger zum Bundeskanzler in West-Deutschland gewählt wurde. Während seiner Antrittsrede verkündete 'Willy Brandy' zwar: „Wir wollen mehr Demokratie wagen“, was auch positive Auswirkungen hatte, zum Vietnam-Krieg gab er öffentlich aber keine kritische Stellungnahme ab.

     Die Beatlemania – rückblickend betrachtet doch weitaus mehr, als nur Schwärmerei junger Mädchen – war schon seit 1968 verebbt. Zwei Jahre später lösten sich die Beatles auf, nicht aber ohne vorher noch ein paar Top-Ten-Hits abzuliefern. Einer davon war „Come Together“ (1969) mit einem teilweise dadaistisch anmutenden Text von John Lennon. „Mit 'Come Together' und seinem sex-politischen Titel nimmt Lennon zum letztenmal als Mitglied der Band Partei für die Gegenkultur. [...] In Studenten- und Undergroundkreisen enthusiastisch begrüßt, ist 'Come Together' der Schlüsselsong an der Wende des Jahrzehnts; er isoliert einen zentralen Moment, in dem die kommende Generation der freien Welt etablierte Weisheiten, Wissen, Moral und Verhalten ablehnt zugunsten eines drogeninspirierten Relativismus, der seither die intellektuellen Grundmauern der westlichen Kultur unterminiert“ (Ian MacDonald).

     Die Rock- & Pop-Musik war im Laufe der 60er Jahre zu einer massentauglichen Kunstform geworden. Doch das sollte nicht so bleiben. – Und passend zu diesem verrückten und innovativen Jahrzehnt betrat an deren Ende, im Juli 1969, mit Neil Armstrong zum ersten Mal ein Mensch den Mond. Die Mondlandung hatte in erster Linie wissenschaftliche, aber auch kulturelle Bedeutung.

     Es ist Ende August 2018. Ich sitze in meinem Skoda Octavia und warte auf meine Tochter. Aus dem Autoradio dröhnt John Fogertys „Rockin' All Over the World“, interpretiert von Status Quo – breitbeinige Gitarristen. Ich drehe lauter. 1977 ging dieser Boogie-Rock-Song um die halbe Welt. Etwas banal, aber geil! Ein Ohrwurm zum Mitsingen. Auch nach über sechzig Jahren wird Rock'n'Roll gespielt. Währenddessen steigen all diese Erinnerungen in mir auf, wie es bereits in den 1940er Jahren mit den Hipster und Beatniks angefangen hatte. „Jack Kerouacs ratternde Schreibmaschine ist untrennbar mit den furiosen Pinselstrichen Jackson Pollocks und John Coltranes sich empor schraubenden Sopransaxophon-Chorussen verknüpft, eine Trinität, die den Durchbruch einer neuen Nachkriegs-Gegenkultur verkörpert, die sich offensichtlich nicht auf eine Ausbildung, auf Kunstfertigkeit und bravourösem Üben gründet, sondern auf Schweiß, Unmittelbarkeit und Instinkt“. Dieser Satz (von Howard Cunnell) geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Schweiß, Unmittelbarkeit und Instinkt – das trifft auch den Kern der Rock-Musik. Oh ja! Die Kultur-Revolution des Rock'n'Roll hat tatsächlich stattgefunden. Im Gegensatz zur politischen Revolution. Wir waren also nicht nur krachmachende Chaoten, zu denen uns die reaktionäre Presse abstempelte. Wir, die Rock'n'Roll-Generation waren Teil einer Avantgarde und haben tatsächlich etwas bewirkt mit unseren Rock-Songs, mit unserem Widerstand, der Rebellion im Elternhaus, in den Schulen und an den Universitäten.

     Jens Kastner resümiert: „Der Bewegungszyklus von 1968 war eine globale Kultur-Revolution. Global war diese Revolution nicht nur, weil in den späten 1960er Jahren an vielen Ecken der Welt protestiert wurde. Sondern global war sie von allem deshalb, weil diese Proteste sich aufeinander bezogen und sich voneinander inspirieren ließen. Das Kulturelle dieser Revolution zu betonen, bedeutet auch, auf ein Paradox hinzuweisen. Es besteht darin, dass die Bewegungen der 1968er Jahre zugleich sehr erfolgreich waren und total gescheitert sind. Gescheitert sind sie hinsichtlich ihrer weitreichenden ökonomischen und selbst in Bezug auf ihre politischen Erneuerungsvorstellungen. Erfolgreich waren sie hingegen vor allem in kultureller Hinsicht. Mit Kultur ist hier zweierlei gemeint: Zum einen beschreibt Kultur jene gesellschaftlichen Bereiche, über die das Feuilleton berichtet, also Musik, Tanz, bildende Kunst, Theater und so weiter. Zum anderen geht es bei Kultur auch um ganz allgemeine Denkweisen und Interpretationsmuster.“ Und Johannes Waechter ergänzt: „Sich durch Kleidung, Aussehen, Musik und Lebensstil von der bürgerlichen Leitkultur abzugrenzen war lange ein politischer Akt; das geht von den Halbstarken über Hippies, Freaks und Punks bis zu den diversen Underground-Tribes der Achtziger und Neunziger. Und natürlich haben all diese Jugendbewegungen auch dazu beigetragen, das gesellschaftliche Klima toleranter und durchlässiger zu machen und die Spießerrepublik von einst hinwegzufegen.“

     Ich frage mich, was hat diese Gegenkultur des Ungehorsams in der Bundesrepublik Deutschland hervorgebracht? Stichworte wie Sexuelle Befreiung, Selbstorganisation, Selbstbestimmtes Leben, Antiautoritäre Kinderläden, Linke Buchläden, Alternative Zeitungen, Raubdrucke, Graffitis, Stadtteilgruppen, Autonome Jugendzentren, Rote Hilfe, die Rote-Punkt-Aktion, Linke Kneipen, Anti AKW, Bewegung 2. Juni, Entnazifizierungen, die Friedensbewegung mit den Kriegsdienstverweigerungen, Bürgerinitiativen, Frauenemanzipation mit Diskussionen über den Abtreibungsparagraphen 218, Befreiungsbewegung für Schwule & Lesben, Demos für Reformen bzw. gegen verschiedene Arten von Missständen, Hausbesetzungen mit Kritik an „Privateigentum an Grund und Boden“ (Friedrich Engels), Internationale Solidarität mit Kritik gegen weltweit wachsende soziale Ungleichheiten, was schließlich zur Einleitung eines allgemeinen Wertewandels und zu einem Mehr an Demokratie führte, sowie neue Lebensformen wie die der Kommunen oder Wohngemeinschaften fallen mir ein. Dazu die Underground-Diskotheken mit abgefahrener Musik, in denen man Drogen konsumieren und ausgelassen tanzen konnte, verrücktes Outfit, die GRÜNEN mit dem Umwelt- und Klimaschutz und die Idee der Nachhaltigkeit. Hab' ich was vergessen? 

     Die 68er-Bewegung beschränkte sich ja nicht nur auf das eine Jahr 1968 - in den USA und England spricht man deshalb auch von den Long Sixties. Die Revolte dieser Zeit wurde auch die antiautoritäre Bewegung genannt. Ich glaube, das war der Hauptaspekt. Alles wurde kritisch hinterfragt, nicht nur in der Schule, im Kindergarten, an der Uni und in der Familie, auch in der Politik. Früher, während meiner Kindheit, hieß es einfach: „Halt dein' Schnabel!“, und fertig war man. Wer immer sich in einer höheren oder machtvolleren Position befand, war eben eine Autorität, und Autoritäten hatte man zu akzeptieren, ohne Wenn und Aber. Nun war es an der Zeit, dieser patriarchalischen, Gehorsam fordernden Tradition etwas entgegenzusetzen. Ohne Befehlsempfänger hätte es die beiden Weltkriege nicht gegeben. Vielleicht kann man, was die gesamte subkulturelle Strömung betraf, es unter Zuhilfenahme der griechischen Prometheus-Sage zusammenfassend auch so formulieren: Ein Teil der Jugend kritisierte die Verhältnisse, indem sie „sich gegen die bestehende Ordnung empörte und damit Individualität gründete, eine eigene Welt, eine eigene persönliche Freiheit“ (Thorwald Dethlefsen). In der zweiten Hälfte der 1950er und die ganzen sechziger Jahre hindurch – was da kulturell alles passiert ist..., auf jeden Fall mehr als nur verbal-moralische Entrüstungen. Spontan fällt mir noch ein: der Kampf für die Gleichberechtigung von Minderheiten, die Gründung von Soziokulturellen Zentren, von Organisationen wie Greenpeace und Amnesty International oder von anderen Vereinigungen, die für Menschenrechte und Tiefenökologie stehen. Alles Türöffner für positive Entwicklungen. Ach, du mein Schreck, plötzlich erinnere ich mich: ich hab' tatsächlich was vergessen. Ich bin kein Punk-Rocker, aber ich mag Songs wie „The Passenger“ (1977) vom Godfather of Punk Iggy Pop, dessen textliche Stimmung mich an die Rastlosigkeit der Geschichten im Roman „On the Road“ von Jack Kerouac erinnert. Und selbstverständlich gehört der Punk mit zur Kultur-Revolution des Rock'n'Roll.

     Zu Beginn der siebziger Jahre und dem Zerfall des antiautoritären Hippietums wurde die bis dahin vorherrschende Friedfertigkeit von immer größerer Militanzbereitschaft durch Aktivisten aus dem Umfeld der ehemaligen studentischen 68er-Bewegung abgelöst (z.B. durch die Untergrundkämpfe der RAF) – nicht nur „Gimme Shelter“ und das Altamont Concert, auch das Roadmovie „Easy Rider (USA, 1969), von und mit Dennis Hopper, signalisierten eine Bedrohung durch Zunahme von Gewalt. Befeuert wurde diese Entwicklung zusätzlich durch unverhältnismäßige und oft rechtswidrige Polizeigewalt bei Demonstrationen und Hausbesetzungen. 1970/71 verlor die Szene mit dem Tod von Jimi Hendrix („Purple Haze“, 1967), Janis Joplin („Me and Bobby McGee“, 1969) und Jim Morrison, Sänger der Doors („Light My Fire“, 1967), drei ihrer einflussreichsten musikalischen Idole; alle drei wurden nur 27 Jahre und starben direkt oder indirekt an den Folgen übermäßigen Drogenkonsums.

     John Lennon, politisch engagiert wie nie zuvor, spielte vor und nach Auflösung der Beatles mit anderen Musikern neue Titel ein: „Give Peace a Chance“ (1969), „Working Class Hero“ (1970) und „Power to the People“ (1971). In Zusammenarbeit mit Yoko Ono – Muse, Aktionskünstlerin und Ehefrau – entstanden 1971 die Friedenshymne „Imagine“, das Weihnachtslied „Happy Xmas (War is Over)“ und ein Jahr später – für die Frauenbewegung – „Woman Is the Nigger of the World“. Alle Titel sind starke musikalische Statements, bis heute unvergessen und haben (leider!) nichts an Aktualität verloren.

     In der ersten Hälfte der siebziger Jahre war die Perfektion und Kommerzialisierung der Rock-Musik auf einem sehr hohen Level, z.B. ELP (Emerson, Lake and Palmer) – einerseits; andererseits geprägt von einem „Leerlauf überkünstelter musikalischer Ideenlosigkeit“ (Bruckmoser/Wulff). – Im Sommer 1971 verbreiteten The Who noch einmal eine optimistische Botschaft: „Won't Get Fooled Again“ – werden uns nicht wieder austricksen lassen. Ende des Jahres erschien von der Hardrock-Band Led Zeppelin mit der Rock-Ballade „Stairway to Heaven“ die Sphinx der Rock-Lyrik. Ähnlich hintergründig besang Don McLean zum Jahreswechsel mit „American Pie“ die Geschichte des Rock'n'Roll. Wenig später formulierte die Glam Rock-Formation T-Rex in „Children Of The Revolution“: Nein, du wirst die Kinder der Revolution nicht täuschen. Bob Marley veröffentlichte im April 1973 mit seinem Aufruf „Get Up, Stand Up“ – Erhebt euch, widersetzt euch – einen engagierten Reggae-Song. Stevie Wonder folgte im November desselben Jahres mit „Living for the City“, die kritische Beleuchtung des Lebens von Schwarzen in einer Großstadt. Auch John Lennon war nicht untätig und versicherte uns im Herbst 1974 mit seinem fetzigen „Whatever Gets You Thru the Night“, it's all right: Was auch immer dich durch die Nacht bringt, ist in Ordnung. – Ebenso hatten auch Kinofilme mit ihren Soundtracks Einfluss auf die Subkultur und deren Szenen, z.B. die unabhängigen Low-Budget-Produktionen „The Harder They Come“ (Jamaika, 1972) mit starken Ska-, Reggae- und Rocksteady-Nummern und dem gleichnamigen Titel-Song von Jimmy Cliff, der auch die Hauptrolle spielte, sowie die schrill-durchgedrehte „Rocky Horror Picture Show“ (USA, 1975) von Richard O'Brien; beide Streifen erlangten Kultstatus.

     Doch allen musikalischen Engagements zum Trotz, wollte in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre im Zuge der Discowelle, eine unpolitische Generation der Post-68er lieber nur tanzen und Spaß haben. Angesagt war kommerziell ausgerichtete Pop- und Disco-Musik, von Gruppen wie Abba („Dancing Queen“, 1975) oder den Bee Gees („Stayin' Alive“, 1977) mit faschingsreifen Outfits. Dennoch gab es auch musikalische Gründe zum Aufhorchen: „Bohemian Rhapsodie“ (1975), eine gelungene Fusion aus Pop und Klassik von Queen; es gab einen Superstar wie Elton John, der mit dem Song „Sorry Seems to Be the Hardest Word“ (1976) das wichtige Thema Vergebung aufgriff; es gab eine Ikone wie David Bowie, der die Liebe im Schatten der Berliner Mauer besang („Heroes“, 1977); oder das eindringliche „I Will Survive“ (1978) von Gloria Gaynor, der Mutmacher-Song, um sich aus Repressionen, Fremdbestimmung und Abhängigkeit zu befreien. Trotzdem breitete sich, was musikalische Protestmentalität als gesellschaftliche Strömung betraf, eine gewisse Leere aus, die vielleicht vorhanden sein muss, damit etwas Neues entstehen kann. – Auf politischer Ebene wurde 1975, nach 20 Jahren, der Vietnam-Krieg beendet, mit einer schmachvollen Niederlage der USA. Einen gemeinsamen Protest verschiedener Friedensaktivisten gegen Waffenlobby, Söldner und Schreibtischtäter gab es nicht mehr. Der Deutsche Herbst 1977 war mit zwei Entführungen (H.M.Schleyer u. ein Passagier-Flugzeug) der unrühmliche Höhepunkt der Auseinandersetzung zwischen staatlicher Obrigkeit auf der einen und militanten Weltverbesserern (RAF) auf der anderen Seite; der Versuch, das Konzept Stadtguerilla von Südamerika auf Europa zu übertragen, war gescheitert. Mit dem Tunix-Kongress im Januar 1978 in West-Berlin wurde der Versuch gestartet, der inzwischen abgehalfterten 68er-Generation neues Leben, sprich Projekte, einzuhauchen.

     Zwischen Mitte und Ende der siebziger Jahre waren es hauptsächlich arme Studenten und junge unzufriedene Arbeitslose, die in New York und London lebten und die einfach wild drauf los spielten, laut und krachend, oft mit schockierenden Texten. Punk! Drei Akkorde und Dosenbier. Der Punk-Rock – und etwas später auch der New Wave (und Heavy Metal) – brachte eine kulturelle Erneuerung. Angesagt waren Bands aus New York, wie die Ramones („Blitzkrieg Bop“, 1976) oder die Patti Smith Group („Dancing Barefoot“, 1979) und aus London die Sex Pistols („Anarchy in the U.K.“, 1976) oder The Clash mit ihrem bedrückenden „London Calling“ (1979): London calling to the faraway towns, Now war is declared and battle come down, London calling to the underworld, Come out of the cupboard, you boys and girls. – Jetzt eine Nachricht aus London an die Städte der Welt weit draußen, Ab jetzt herrscht Krieg und der Kampf bricht aus, London ruft die Unterwelt auf, bekennt euch, zeigt Flagge, ihr Jungen und Mädchen. Ähnlich radikal wie die Dadaisten sechzig Jahre zuvor, gingen auch die Punker vor. Beide nutzten den Schock als Mittel zur Aufmerksamkeit. Der Berliner Underground-Aktivist Bommi Baumann lakonisch: „Der Punk hat den Rock'n'Roll wieder revolutioniert“. Der anarchisch-aggressive Punk belebte den Kampf der Aussteiger, Hippies und Achtundsechziger gegen reaktionäre Normen und schuf im Kampf für mehr Freiheit eine neue Zeitgeistströmung. Um sich von den Hippies zu unterscheiden, schnitten sich die Punker die Haare kurz, färbten sie bunt, trugen zerschlissene Kleidung und Tätowierungen und schmückten sich mit Sicherheitsnadeln und Rasierklingen. Misha Schoeneberg hatte es richtig erkannt, wenn er schreibt, dass „Punk die trotzig-traurige Wut über den Verlust der Hippie-Träume war“, auch wenn viele Punker das nicht wahrhaben wollen.

     Doch auch jenseits vom Punk entstand 1979 noch musikalisch Aufrüttelndes: Mit „Highway to Hell“ besang die Hard-Rock Band AC/DC weniger ihr Tourleben – vielmehr war es ein provokanter Schrei nach Freiheit. Pink Floyd verdanken wir das radikale Schülerlied „Another Brick in the Wall“ (Part II), die damit das Schulsystem kritisierten.

     Eckhart Tolle gelang rückblickend eine tolle Analyse: „Die Hippiebewegung, die in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts an der Westküste der Vereinigten Staaten ihren Anfang nahm und sich dann in der ganzen westlichen Welt ausbreitete, entstand durch die Auflehnung vieler junger Leute gegen soziale Archetypen, Rollen und vorgegebene Verhaltensmuster sowie gegen egobegründete Gesellschafts- und Wirtschaftsstrukturen. Die jungen Leute weigerten sich, die Rollen zu spielen, die ihnen ihre Eltern und die Gesellschaft aufzwingen wollten. Hinzu kam zeitgleich das Grauen des Vietnam-Krieges, in dem drei Millionen Vietnamesen und mehr als 57.000 junge Amerikaner starben und der den Irrsinn des Systems und das ihm zugrunde liegende Denken aller Welt offen legte. Während in den fünfziger Jahren die meisten Amerikaner in Denken und Verhalten noch extrem angepasst waren, begannen in den Sechzigern Millionen Menschen, ihre Identifikation mit einer gedachten kollektiven Identität aufzugeben, weil der Irrsinn des Kollektivs so unübersehbar war. Die Hippiebewegung stellte eine Lockerung der bis dahin rigiden Egostrukturen in der Psyche der Menschheit dar. Die Bewegung selbst degenerierte schließlich und ging zu Ende, aber sie hatte eine Öffnung bewirkt, und das nicht nur bei denen, die Teil der Bewegung waren. Dadurch konnte die alte östliche Weisheit und Spiritualität in den Westen gelangen und eine entscheidende Rolle bei der Erweckung des globalen Bewusstseins spielen.

     Eine andere Sichtweise in Bezug auf Töne hatte Dietmar Hüser: „Sollte es stimmen, dass Musik historische Umbrüche hörbar macht und Janis Joplin, Bob Dylan oder Jimi Hendrix mehr über die Befreiungsutopien der 1960er Jahre aussagen als jede Theorie der Krise, dann werfen Bill Haley und 'Rock Around the Clock' grelle Schlaglichter auf die Vorlaufphase dieser westlichen Kultur-Revolution.“ Peter Schneider brachte es kurz auf den politischen Punkt: „Es war eine schöne und schreckliche Zeit. Meinen Kindern sage ich: Es ist nötig – und wird immer wieder nötig sein und Mut erfordern –, gegen selbsternannte Herren der Welt und eine feige oder übergeschnappte Obrigkeit zu rebellieren.“

     Alles Irdische ist vergänglich – Licht und Schatten bilden eine polare Einheit. Die verrückte Zeit totaler Umwälzung dauerte ein Vierteljahrhundert. Mit dem Auslaufen der 1970er Jahre war die kreative Energie der Hippies, Spontis, Freaks, Drop-Outs, Aktivisten und Punker weitgehend erschöpft. Auch wenn lebende Legenden wie die Rolling Stones, Bob Dylan oder Iggy Pop heute immer noch musikalisch aktiv sind, auch wenn Gruppierungen wie Attac, Occupy oder Rainbow Gathering versuchen neue Impulse zu setzten: mit den achtziger Jahren war eine andere, völlig neue Zeitqualität angebrochen; es gab kaum noch große kollektive Träume, noch weniger Visionen und Utopien schon gar nicht.

     Nach fünfjähriger öffentlicher musikalischer Abstinenz kehrte John Lennon Ende Oktober 1980 zurück zu seinen Wurzeln und würdigte mit seinem Retro-Song „(Just Like) Starting Over“ noch einmal die Rock'n'Roll-Heros seiner Jugend, zusammen mit einem Liebestext an Yoko Ono. Das Lied wurde im Laufe weniger Wochen in vielen Ländern ein Charterfolg, den der Autor selbst aber nicht mehr erleben durfte.

     Durch die Uraufführung des Films Die Saat der Gewalt“ mit dem Soundtrack „Rock Around the Clock“ wurde im März 1955 in New York das Rock'n'Roll-Zeitalter eingeläutet. Anfang Dezember 1980 geschah in derselben Stadt das Unfassbare: Der dunkle Schatten von Love & Peace kam aus dem kalten Lauf einer Pistole Kaliber 38 und besiegelte das Ende einer Ära. Misha Schoeneberg: „Ich war dankbar für die Zeit, was sollte noch kommen? Ich saß am Strand von Goa, lauschte dem Wind und den Vögeln. 'Und, hast du's gehört? Sie haben gestern John Lennon erschossen!' Ich sah den Sonnenuntergang. Der einst sonnengelbe Strand war getaucht in tiefes Lila, dunkel wie das Meer, und vom Himmel hoch schien es blutendrot zu tropfen. Das war das Finale eines großen Traums. Erst jetzt war das Jahrzehnt zu Ende, eine ganze Zeit fand ihren Schlussakkord in diesem Schuss.“

 

Epilog

Mit dem Tod von John Lennon war – neben Louis Armstrong († 1971) und Elvis Presley († 1977) – die dritte außergewöhnlich große Persönlichkeit der populären Musik des 20. Jahrhunderts von der Bühne abgetreten. Und? Gab es keine Nachgeschichte? Na klar, mit New Wave Bands wie Talking Heads („Road To Nowhere“, 1985), mit Prince („Sign o' the Times“, 1987), Michael Jackson („Earth Song“, 1995), Madonna, U2, R.E.M., Tracy Chapman und anderen gab es in den 1980ern und in der Folge auch progressive Songs mit kritischen oder provokanten Texten. Aber auch Typen wie Lemmy Kilmister, Sänger und Bassist von Motörhead, der wie kaum ein anderer den Outlaw-Rocker verkörperte. Und auch in den Jahren danach entstand, wenn auch vereinzelt, weiterhin engagierte Musik wie z.B. „Smells Like Teen Spirit“ (1991) von der Grunge-Band Nirvana, „What's Up?“ (1993) von 4 Non Blondes oder im neuen Jahrtausend „Mother of God, Putin Put“ (2012) von Pussy Riot aus Moskau.

     In den neunziger Jahren und später folgte mit Techno, Loveparade und Ecstasy ein Trend – ...feiern bis der Arzt kommt... – über deren kulturpolitische Relevanz man geteilter Meinung sein kann. Der Szene-Kenner Wolfgang Sterneck: „Auch die Loveparade und ihre Entwicklung ist ein Ergebnis der umgebenden soziokulturellen Bedingungen. Und da unterscheidet sie sich grundlegend von den späten sechziger Jahren, in denen selbst bei betont apolitischen Hippies eine grundlegende gesellschaftliche Veränderung ein selbstverständliches Ziel war. Bei der Loveparade muss man jedoch lange nach derartigen Zielen suchen […] .“ Was die Hippies betrifft, so war Hunter Thompsons Einschätzung 1967 dazu abweichend: „Anders als die entschlossenen Radikalen [...] interessierten sich die Hippies eher für den Ausstieg aus der Gesellschaft und nicht für deren Veränderung.“

     Und wie sah es mit den politischen und ökonomischen Erneuerungsvorstellungen in der BRD aus? Die Demokratie mit seinem gelebten Parlamentarismus, mit all seinen Licht- und Schattenseiten überlebte – zum Glück! Doch leider auch der Kapitalismus, mit einer immer stärker werdenden globalen Dynamik. „Das Problem ist, dass diese Dynamik sich spätestens nach 1989 so alternativlos über die Welt ausgebreitet hat, dass es den Anschein hat, als ob es keinerlei andere Möglichkeiten gibt, menschliches Leben zu führen. Das ist eine große Problematik – sowohl auf dem sozialethischen-politischen Bereich, aber auch eben auf dem Bereich der individuellen Lebensführung.“ (Rainer Bucher)

     Wie auch immer. Wir leben nach dem Millenniumswechsel in der „Post-Rock-Ära des HipHop und der elektronischen Tanzmusik, in der Sequenzer und Drummaschinen vorherrschen“, wie Jody Rosen es formulierte. Dan Aykroyd sprach als Elwood Blues im Film „Blues Brothers 2000“ in diesem Zusammenhang von „lächerlichen wiederaufbereiteten digital-gesampelten Techno-Grooves, Quasi-Synthie-Rhythmen, Pseudo-Songs von gewalt-geladenem Gangsta-Rap, Acid-Pop und albernem, zuckrigem, seelenlosem Kitsch“ – nicht zu vergessen Fäkalsprache und Satanismus. Außerdem werden großartige Retro-Songs gecovert und mit vermeindlich modernen Arrangements verschlimmbessert. Wie immer man zur heutigen Mainstream-Musik auch stehen mag – es gibt Menschen, deren Qualitätsanspruch ein anderer ist. Hey Chuck, dann vielleicht wohl doch lieber 'Back to Beethoven', oder was?

 

* * *

 

Vielen Dank an Sema Binia, Jens Johler, Uli Mentz, Angie Olbrich, Uta Raab, Ingo Rose, Misha Schoeneberg, Wolfgang Seidel, Barbara Sichtermann und Kidd Viciouz für Korrekturen, Kritik und Anregungen.

 

 

Quellen / Zitate
Anonym: Rock and Roll
– Eine Revolution? (Bachelorarbeit), München 2010
Dan Aykroyd, John Landis: Blues Brothers 2000, Musikfilm, Kanada/USA 1998 
Bommi Baumann: HiHo. Wer nicht weggeht, kommt nicht wieder, Hamburg 1987
Lothar Binger: 68, selbstorganisiert & antiautoritär, Berlin 2018
Bruce Bruckmoser, Peter Wulff: Lexikon der Pop- & Rock-Musik, Landshut 1996
Rainer Bucher: Christentum im Kapitalismus, Würzburg 2019
Daniel Cohn-Bendit: Ein richtiges Leben im falschen System, in B.& K.Sichtermann: Das ist unser Haus, Berlin. 2017
Howard Cunnell: Diesmal schnell, in Jack Kerouac: On the Road, Nachworte, Reinbeck 2013
Thorwald Dethlefsen: Prometheus, Vortrag von 1986, Hamburg 2016
Friedrich Engels: Zur Wohnungsfrage (1872), in K.Marx/F.Engels: Werke, Band 18, Berlin 1969
Mike Evants: Rock'n'Roll, München 2007
Ulrike Freimuth: Durch Ekstase in die Vision – Was ist Trance Tanz?, in https://compassioner.com, Baden Baden 2018
Helmut Hein: Elvis hat die Welt verändert, in mittelbayerische.de, Regensburg 2015
Dietmar Hüser: Rock around the clock, in Themenportal Europäische Geschichte (Interent), Berlin 2007
Jens Kastner: Die 1968er Jahre als globale Kulturrevolution, Deutschlandfunk, Köln 2018
Ian MacDonald: The Beatles - Das Songlexikon, Kassel 2000
Joachim Mohr: Die 60er Jahre, in Der Spiegel–Geschichte, Hamburg 2016
Robert Palmer: Rock & Roll, St. Andrä-Wördern 1997
Tobias Rapp: Unter Strom, in Der Spiegel Nr. 5, 26.1.19, Hamburg 2019
Wilhelm Reich: The Murder of Christ, New York 1953 / Christusmord, Olten 1978
Anne Reiche: Auf der Spur, Brüssel 2018
Retromania: http://www.phil.uzh.ch/elearning/blog/retromania/
Jody Rosen: White Christmas, München 2003
Frank Schäfer: Legalisiert Leary! Spiegel Online, Hamburg 2006
Peter Schneider: Rebellion und Wahnsinn, Köln 2008
Misha G. Schoeneberg: Als Wir das Wunder waren (Manuskript), Berlin 2018
Thomas Seibert: In erster Person, in Wiedersehen mit Tunix!, Berlin 2018

K.Sichtermann, J.Johler, C.Stahl: Keine Macht für Niemand, Berlin 2000
K.Sichtermann, J.Johler, A.Olbrich: Vage Sehnsucht, Berlin 2017
Kai Sichtermann (Hrsg.): Kultsongs & Evergreens, Berlin 2010
Wolfgang Sterneck: Party, Liebe und Profit, Interview im Online-Magazin UB, Zürich 2010
Hunter S. Thompson: Angst und Schrecken in Las Vegas, in Gonzo Generation, München 2007
Eckhart Tolle: Eine neue Erde, München 2005
Johannes Waechter: Als Rockmusik die wichtigste Waffe im revolutionären Kampf war, in Süddeutsche Zeitung, Magazin, München 2017

 

Song-Autoren (Auswahl)
All You Need is Love – John Lennon, Paul McCartney – 1967
Anarchy in the U.K. – Johnny Rotten, Glen Matlock, Steve Jones, Paul Cock – 1976
Another Brick in the Wall – Roger Waters – 1979
Be My Baby – Phil Spector, Ellie Greenwich, Jeff Barry - 1963
Born to Be Wild – Mars Bonfire – 1968
California Dreamin' – John Phillips, Michele Gilliam – 1965
Get Up, Stand Up – Bob Marley, Peter Tosh – 1973

Good Vibration – Brian Wilson, Mike Love – 1966
The Harder They Come – Jimmy Cliff – 1972

Heroes - David Bowie, Brian Eno – 1977
Highway to Hell – Bon Scott, Agnus Young, Malcom Young – 1979
Hound Dog – Jerry Leiber, Mike Stoller – 1952
I Walk the Line – Johnny Chash – 1956

I Will Survive – Freddie Perren, Dino Fekaris – 1978
Je T'aime...Moi Non Plus – Serge Gainsbourg – 1969
Light My Fire – Jim Morrison, Ray Manzarek, Robby Krieger, Paul Densmore – 1967
Like a Rolling Stone– Bob Dylan – 1965

London Calling – Joe Strummer, Mick Jones (Paul Simonon, Topper Headon) – 1979
My Generation – Pete Townshend – 1965

Oh Happy Day – Traditional, arr. Edwin Hawkins – 1969
Respect – Otis Redding – 1965

The Passanger – Iggy Pop, Ricky Gardiner – 1977
Purple Haze – Jimi Hendrix – 1967
Rock Around the Clock – Max Freedman, Jimmy de Knight – 1953

Roll Over Beethoven – Chuck Berry – 1956
Sag mir wo die Blumen sind - Pete Seeger, Max Colpet - 1962
San Francisco – John Phillips – 1967
(I Can't Get No) Satisfaction – Mick Jagger, Keith Richards – 1965

Sunshine of Your Love – Eric Clapton, Jack Bruce, Pete Brown - 1967
Tutti Frutti – Richard Penniman, Dorothy LaBostrie – 1955
War – Norman Whitfield, Barret Strong – 1969
A Whiter Shade of Pale - Gary Brooker, Mathew Fisher, Keith Reid - 1967
What's Up? – Linda Perry – 1992
You Keep Me Hangin' On – Brian Holland, Lamont Dozier, Eddie Holland – 1966
You Realy Got Me - Ray Davis – 1964

 


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